3.1 Formen des Enhancement

Zum Inhaltsverzeichnis – Neuroethik. Ein Überblick über zentrale Problemkreise.

Im Rahmen dieser Arbeit erscheint es mir sinnvoll den Begriff des Enhancements etwas enger zu fassen, und ihn auf technologische Methoden zur Steigerung menschlicher Fähigkeiten zu beschränken, obwohl es seit Menschengedenken Versuche gibt, die Fähigkeiten des Gehirns zu steigern. So kann beispielsweise eine erhöhte Konzentrationsfähigkeit auch durch Meditation erreicht werden. Dies soll jedoch nicht Gegenstand meiner Untersuchung sein.

Es gibt (bisher) drei Wege, um mit medizinischen Mitteln direkt auf das Gehirn einzuwirken. Dies geht zum einen durch Psychopharmaka, weiter durch Neuroprothetik und schließlich durch Brain Machine Interfaces.

Psychopharmaka wirken auf den Neurotransmitterhaushalt ein und erreichen damit eine Veränderung psychischer Zustände.

Neuroprothesen sind in der Regel einzelne Mikroelektroden, die in das Nervensystem implantiert werden. Durch gezielte elektrische Stimulation sollen eingeschränkte oder verlorene Funktionen wiederhergestellt werden. Man unterscheidet zwischen motorischen und sensorischen Neuroprothesen. Motorische Neuroprothesen werden beispielsweise bei Parkinson (Tiefen-Hirn-Stimulation) oder Depressionen eingesetzt, eine sensorische Neuroprothese, die bereits im Einsatz ist, ist das Cochlea-Implantat bei Hörgeschädigten.

Brain Machine Interfaces (Hirn-Maschine Schnittstellen) ermöglichen eine Kommunikation zwischen Gehirn und Computer (bisher nur einseitig). Diese Schnittstellen werden derzeit noch nicht eingesetzt, sind aber aktueller Forschungsgegenstand und sollen einmal körperlich eingeschränkten Menschen mehr Bewegungsfreiheit ermöglichen. Auch für die bereits erwähnten „Locked-In“ – Patienten sind Brain Machine Interfaces relevant, da sie dadurch wieder in Kontakt mit ihrer Umwelt treten könnten.

Mittel, bei denen die Möglichkeit besteht, die Fähigkeiten gesunder Menschen zu steigern, wurden bisher zunächst entwickelt, um Menschen mit Erkrankungen oder Behinderungen zu heilen und schaffen erst dadurch eine Nachfrage bei gesunden Menschen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Viagra.

Grundsätzlich lassen sich über das Gehirn bzw. Nervensystem fast alle menschlichen Eigenschaften beeinflussen. Kognitive Fähigkeiten, auf die ich im nächsten Teil näher eingehen möchte, wie auch Gefühle oder körperliche Funktionen.

Im Bereich körperlicher Funktionen, sind es unter anderem Sinneswahrnehmungen, die verstärkt oder geschärft werden können, man könnte aber auch die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln erleichtern oder gar körperfremde Gegenstände steuern. Man stelle sich im schlimmsten Fall eine Art Kampfroboter vor, der per Gehirn gesteuert wird.

Nahezu alle Gefühlswahrnehmungen kann man mit verschiedenen Wirkstoffen verstärken, wie es jetzt schon mit illegalen Drogen praktiziert wird. Antidepressiva sind Hoffnungsträger der Pharmaindustrie und werden heute bereits von einigen gesunden Menschen eingenommen, um sich besser zu fühlen. Der Sinn davon verschließt sich mir allerdings, steuern wir auf Huxleys Schöne neue Welt zu, in der Unzufriedenheit nicht mehr auf äußere Faktoren zurückgeführt werden kann? Schüchternheit, Ängste, Hemmungen, usw., all dies lässt sich mit Medikamenten überwinden, wenn man es denn wünscht.

Diese verschiedenen Möglichkeiten des Enhancements sollten hier nur kurz angerissen werden, was nicht bedeutet, dass sie irrelevant oder unproblematisch sind. Im Gegenteil, sie sind in höchster Weise bedenklich und bedürfen einer öffentlichen Diskussion, sowie eindeutigen Regelungen. Dennoch möchte ich mich im Folgenden auf das Enhancement kognitiver Fähigkeiten konzentrieren und unterschiedliche Wege und deren Risiken beleuchten.

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